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Versbuch

Form

Kurze Gedichte: höchstens zwölf Zeilen

Auf dieser Seite stehen 1.325 Gedichte, die höchstens zwölf Zeilen haben. Die Zeilen sind gezählt, nicht geschätzt: das kürzeste Stück hier hat zwei Zeilen, das längste genau zwölf, in der Mitte liegen neun. Wer etwas für eine Karte, eine Widmung oder den Schluss einer Rede sucht, findet hier den Umfang, der dafür gebraucht wird.

1.325 Gedichte von 49 Verfasserinnen und Verfassern · davon 1.325 mit höchstens 12 Zeilen

Alle Gedichte: Kurze Gedichte

Kürzestes zuerst. Jede Zeilenzahl ist gezählt, nicht geschätzt.

Was zwölf Zeilen tragen – und wie man daraus auswählt

Die Grenze dieser Seite ist eine Zahl, keine Stimmung. Aufgenommen ist, was zwölf Zeilen oder weniger hat; alles darüber steht anderswo. Damit liegt die Sammlung zwischen zwei anderen Formangaben: ein Vierzeiler hat genau vier Zeilen, als lang gilt erst ein Gedicht ab vierzig Zeilen. Leerzeilen zwischen Strophen zählen nicht mit, gezählt werden die Verszeilen selbst. Wer also einen Text sucht, der in vier Zeilen Handschrift auf eine Klappkarte passt, kann sich auf die Angabe verlassen, ohne den Text erst abzumessen. 1.325 Gedichte erfüllen die Bedingung.

Innerhalb der zwölf Zeilen ist der Bestand ungleich verteilt. 78 Gedichte kommen mit höchstens vier Zeilen aus, 509 haben fünf bis acht Zeilen, und 738 – also mehr als die Hälfte – liegen zwischen neun und zwölf. Die mittlere Länge beträgt neun Zeilen. Wer die ganz knappe Form braucht, arbeitet demnach mit einem kleinen Ausschnitt: Auf einen Zwei- bis Vierzeiler kommen rund sechzehn längere Stücke dieser Seite. Wer dagegen eine Karte allein füllen will, hat die größte Auswahl, weil der Schwerpunkt genau dort liegt.

Der Bestand hat deutliche Schwerpunkte auch bei den Namen. 49 Verfasserinnen und Verfasser sind vertreten. Von Joachim Ringelnatz stehen 230 kurze Gedichte hier, von Heinrich Heine 211, von Rainer Maria Rilke 157 und von Wilhelm Busch 92 – diese vier allein stellen 690 der 1.325 Texte. Dahinter folgen Alfred Henschke mit 59, Christian Morgenstern mit 58, Christian Felix Weiße mit 54 und Theodor Fontane mit 47; zusammen decken die acht 908 Gedichte ab. Am anderen Ende steht je ein einziger Text von Lili Grün, Erich Mühsam, Justinus Kerner oder Louise Otto-Peters. Wer einen bestimmten Verfasser im Kopf hat, wählt schneller über den Namen als über die Länge.

Am unteren Rand stehen die Zweizeiler; vierzehn von ihnen sind unter den hier aufgeführten Titeln verzeichnet. Conrad Ferdinand Meyers „Vor einer Büste“ aus der Ausgabe von 1882 beginnt mit einer Anrede an die Büste: „Bist du die träumende Bacche? Der Sterblichen lieblichste bist du!“ Von Karl Streckfuß sind aus dem Jahr 1804 gleich drei solcher Doppelzeiler aufgeführt: „Der Garten“, „Der Sturmwind“ und „Grabschrift“. Theodor Fontanes zwei Zeilen „Unter ein Bildniß Adolf Menzel’s“ von 1905 setzen mit „Gaben, wer hätte sie nicht? Talente – Spielzeug für Kinder,“ ein. Weniger als zwei Zeilen hat auf dieser Seite kein Gedicht.

Zwei Zeilen sind oft ein Epigramm, also ein zugespitzter Vers auf eine Person oder eine Sache. Gotthold Ephraim Lessing ist mit 27 kurzen Gedichten vertreten, und unter den aufgeführten Zweizeilern stammen fünf von ihm: „An den Marull“, „Auf den Mison“, „Auf die Galatee“, „Auf Frau Trix“ und „Entscheidung des vorigen“. Wie ein solcher Anfang aussieht, zeigt „Auf Frau Trix“: „Frau Trix besucht sehr oft den jungen Doktor Klette.“ Heinrich Kämpchen, 1909 gedruckt, füllt dieselben zwei Zeilen anders; sein „Nutzlos“ eröffnet mit „Wer immer sinnt und nicht beginnt,“.

Die Auswahl folgt am Ende einer nüchternen Rechnung. Zwei bis vier Zeilen passen unter eine Unterschrift oder auf die Innenseite einer kleinen Karte. Acht bis zwölf Zeilen füllen eine Karte allein und lassen sich in einer Rede vortragen, ohne dass die Zuhörer den Faden verlieren. Soll ein Gedicht mehrfach gelesen werden – auf einem Programmzettel, einer Anzeige, einem Plakat –, ist die kurze Form im Vorteil, weil sie den Blick nicht zwingt, zurückzuspringen. Und wer aus einem längeren Text nur eine Strophe nimmt, sollte das kenntlich machen: „Strophe aus …“ genügt und verhindert den Eindruck, das Gedicht sei zu Ende.

Zur Rechtslage: Alle Verfasserinnen und Verfasser dieser Seite sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren gestorben, ihre Texte sind damit gemeinfrei (§ 64 in Verbindung mit § 69 UrhG). In der Praxis heißt das: abschreiben, drucken, vertonen, auf eine Karte setzen, in eine Anzeige rücken, auch verkaufen – ohne Anfrage und ohne Honorar. Nicht erfasst davon ist die Arbeit späterer Hände: Eine Übersetzung oder eine eigenständige Bearbeitung ist nach § 3 UrhG selbst geschützt und kann eigene Fristen haben. Bei den deutschen Originaltexten, die hier stehen, stellt sich diese Frage nicht.

Eine Quellenangabe ist bei gemeinfreien Texten nicht vorgeschrieben, sie bleibt aber nützlich. Eine brauchbare Zeile besteht aus vier Teilen: Verfasser, Titel, Druckausgabe und deren Jahr. Wichtig ist, dass die Jahreszahl die Ausgabe bezeichnet, aus der der Text stammt, nicht das Jahr der Entstehung. Die Jahreszahlen dieser Seite reichen deshalb von 1751 bis 2009 – bei mehreren Lessing-Epigrammen steht eine späte Ausgabe, während Goethes Zweizeiler „Ungleiche Heirath“ mit 1789 verzeichnet ist. Bei zwei Gedichten ist gar kein Jahr überliefert. Wer das auseinanderhält, gibt korrekt an und macht den Text für andere auffindbar.

Am Schriftbild fällt manches auf, was keine Tippfehler sind, sondern der Stand der Rechtschreibung zur Druckzeit. Bei Lessing steht „Groß willst du, und auch artig seyn?“ – mit y, wie es damals üblich war. Goethe schreibt „Heirath“ mit th, Kämpchen 1909 „Uebertreibung“ mit Ue statt Ü, weil der Umlaut am Wortanfang so gesetzt wurde. Dazu kommen die vielen Apostrophe für weggelassene Laute: „schwärz’“ bei Lessing, „trüg’“ bei Heine, „tob’“ und „zerreiß’“ bei Streckfuß. Diese Formen bleiben stehen, wie sie gedruckt wurden. Wer sie modernisiert, verändert den Text – das darf man, sollte es aber dazusagen.