Vor meinem Kinderporträt
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
10 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Da ich ganz fremd mein Kinderbildnis sah,Die Augen meiner Kindheit standen daVor mir, photographiert. Die Augen, dieSo wenig sahn vor lauter Phantasie.
Nun wird mein Jahrgang wohl bald sterben müssen.Diese Betrachtung klingt zurecht sehr schal.Auch ist's ein schiefes Tun, sich selbst zu küssen.Ich wurde weinerlich vor fremden Leuten.Ich sah mich selber im EswareinmalUnd wußte mir so viel daraus zu deuten.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre Seite 106, 1. Auflage, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Vor meinem Kinderporträt“, Fassung 3.026.937 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.