Schindluder
Joachim Ringelnatz · 1883–1934
11 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1932
Es war ein Pferd, das war ergrautUnd wurde deshalb abgebaut.Man nahm zuerst ihm seine Haut.O nein, da liegt ein Irrtum vor,Weil es zuvor den Schwanz verlor.
Es schleppte Lasten, schwitzte Blut.Das Roßfleisch schmeckt dem Hunger gut.
Die Peitsche hieb auf mürbe Knochen.
Dann ist das Pferd zusammenbrochen.
Aus dem Kadaver aber flohEin Pegasus, der furzte froh.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte dreier Jahre, Seite 86, Ernst Rowohlt Verlag, Berlin, 1932
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Schindluder“, Fassung 3.780.376 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.