Hohe Station
Conrad Ferdinand Meyer · 1825–1898
12 Zeilen · zuerst gedruckt 1882
Hoch an der Windung des Passes bewohn’ ich ein niedriges Berghaus –Heut ist vorüber die Post, heut bin ich oben allein.Lehnend am Fenster belausch’ ich die Stille des dämmernden Abends,Rings kein Laut! Nur der Specht hämmert im harzigen Tann.Leicht aus dem Wald in den Wald hüpft über die Matte das Eichhorn,Spielend auf offenem Plan; denn es ist Herr im Bezirk.Jammer! Was hör’ ich? Ein schrilles Gesurre: „Gemordet ist Garfield!“„Bismarck zürnt im Gezelt!“ „Väterlich segnet der Papst!“Schwirrt in der Luft ein Gerücht? Was gewahr’ ich? Ein schwärzliches Glöcklein!Unter dem Fenstergesims bebt der electrische Draht,Der, wie die Schläge des Pulses beseelend den Körper der Menschheit,Durch das entlegenste Thal trägt die Geberde der Zeit.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 87, 1. Auflage, Verlag von H. Haessel, Leipzig, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hohe Station“, Fassung 2.077.204 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Conrad Ferdinand Meyer starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118581775 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.