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Versbuch

Klage um Antinous

Rainer Maria Rilke · 18751926

12 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1918

Keiner begriff mir von euch den bithynischen Knaben,(daß ihr den Strom anfaßtet und von ihm hübt…)Ich verwöhnte ihn zwar. Und dennoch: wir habenihn nur mit Schwere erfüllt und für immer getrübt.

Wer vermag denn zu lieben? Wer kann es? – Noch keiner.Und so hab ich unendliches Weh getan –.Nun ist er am Nil der stillenden Götter einer,und ich weiß kaum welcher und kann ihm nicht nahn.

Und ihr warfet ihn noch, Wahnsinnige, bis in die Sterne,damit ich euch rufe und dränge: meint ihr den?Was ist er nicht einfach ein Toter? Er wäre es gerne.Und vielleicht wäre ihm nichts geschehn.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Der neuen Gedichte anderer Teil, S. 7, Insel-Verlag, Leipzig, 1918
Digitalisat
de.wikisource.org — „Klage um Antinous“, Fassung 2.678.673 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Rainer Maria Rilke starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601024 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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