Zum Inhalt springen
Versbuch

Vallorbe

Karl Kraus · 18741936

12 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1920

Du himmlisches Geflecht, du Glockenblumenkorb,Ursprung der Orbe, der Welt, du unversehrtes Ziel,du Wonnewort Vallorbe, das in den Mai mir fiel,du Thal der Thäler du, traumtiefes Thal der Orbe!

Du Sonntag der Natur, hier seitab war die Ruh.Ursprung der Zeit! So hat, da alles war geglückt,der Schöpfer diesen Kuß der Schöpfung aufgedrückt,hier saß der Gott am Weg zum guten Lac de Joux.

Du Gnade, die verweht den niebesiegten Wahn,wie anders war es da, und da entstand die Zeit,dieweil sie staunend still stand vor der Ewigkeit.Wie blau ist doch die Welt vom Schöpfer aufgethan!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Ausgewählte Gedichte, S. 5, Verlag der Schriften von Karl Kraus (Kurt Wolff), München, 1920
Digitalisat
de.wikisource.org — „Vallorbe (Kraus)“, Fassung 1.228.703 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Karl Kraus starb 1936; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2006 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118566288 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Karl Kraus

Alle Gedichte von Karl Kraus ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.