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Versbuch

Das Gras

Paul Haller · 18821920

12 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1922

Im grauen Regensommer stand ein TalVoll reifen Grases, das kein Mäder schnitt.Der Tod, indes es hing in Lebensqual,Dem Feld vorbei zu jungen Menschen schritt.

Die Wolken zogen müd den schlichten Gang,Gedrängt, geschoben, ohne Wanderziel.Doch einmal jeden Tags sekundenlang,Durch ihren Riß ein Sonnenbündel fiel.

Dann rauscht’ und schrie’s im dürren Halmenwald:„Erlösung naht! – Nun, Mörder, morde mich!“Der Himmel hörte nicht das Flehn so bald,Als Wetterschauer strafend niederstrich.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 27, H. R. Sauerländer & Co., Aarau, 1922
Digitalisat
de.wikisource.org — „Das Gras“, Fassung 2.228.681 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Paul Haller starb 1920; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1990 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 119041952 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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