Die Stadt
Alfred Lichtenstein · 1889–1914
12 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 4. Oktober 1913
Ein weißer Vogel ist der große Himmel.Hart unter ihn geduckt stiert eine Stadt.Die Häuser sind halbtote alte Leute.
Griesgrämig glotzt ein dünner Droschkenschimmel.Und Winde, magre Hunde, rennen matt.An scharfen Ecken quietschen ihre Häute.
In einer Straße stöhnt ein Irrer: Du, ach, du –Wenn ich dich endlich, o Geliebte, fände ..Ein Haufen um ihn staunt und grinst voll Spott.
Drei kleine Menschen spielen Blindekuh –Auf alles legt die grauen Puderhändeder Nachmittag, ein sanft verweinter Gott.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die Aktion : Wochenschrift für Politik, Literatur, Kunst. 3. Jg., Nr. 40, Sp. 945, 1. Auflage, Verlag Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf, 4. Oktober 1913
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Stadt (Alfred Lichtenstein)“, Fassung 3.090.593 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Alfred Lichtenstein starb 1914; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1984 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118832891 der Deutschen Nationalbibliothek.
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