Melancholie
Otfried Krzyzanowski · 1886–1918
11 Zeilen · zuerst gedruckt 1919
Ein nacktes Jungfräulein hängtAn einem Galgen: das Blut, das von Mund und NaseUnd sonst herunter geflossen, bildet im RasenEine rote Lache, die mählich schwarz gerinntSo wie das Blut der lehmigen Pfützen umherMit der sterbenden Abendröte vergeht.Sie sind: die Pfützen, die Augen der Dämmerung.Doch gegen das weiße ungeküßte Knie des WeibesFliegt ein Rabe: Wie unmelodischEin Rabenflügel sich gegen den Rasen zeichnetEhe die Dämmerung ganz herein ist.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Unser täglich Gift S. 11, 1. Auflage, Kurt Wolff Verlag, Leipzig, 1919
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Melancholie (Krzyzanowski)“, Fassung 584.251 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otfried Krzyzanowski starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 128523778 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.