Zum Inhalt springen
Versbuch

Todgeweiht

Joachim Ringelnatz · 18831934

12 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1910

„Lache!“ ruft sie, „Unser ist das Leben!“Und mir ist, als ob mein Blut erstarrt.Durch den Sonnenschein der GegenwartHör ich dumpfe Totenglocken beben.

Wenn sie nächtlich unterm Kranz der SterneUnbelauscht in ihrem Ernst sich glaubt,Folg ich ihrem Blick, der, weltenferneIhr den Frieden weist und mir ihn raubt.

Dieser seltsam tiefe Glanz im GrundeKündet es: Sie darf nicht lang verweilen.Zitternd seh ich Stund um StundeGrauenvoll vorübereilen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, S. 10, 1. Auflage, Hans Sachs-Verlag Schmidt-Bertsch & Haist, München, Leipzig, 1910
Digitalisat
de.wikisource.org — „Todgeweiht“, Fassung 2.533.394 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Joachim Ringelnatz starb 1934; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 2004 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118601121 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Joachim Ringelnatz

Alle Gedichte von Joachim Ringelnatz ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Moderne und Expressionismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.