Menschlichkeit
Frank Wedekind · 1864–1918
12 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Der Mensch ist nackt geschaffen, ist nackt;Daraus erklärt sich seine Vertracktheit.Wird er vom Wind bei der Wolle gepackt,Dann schämt er sich seiner kläglichen Nacktheit.
Dort, wo es dem rohen Pöbel graut,Sind der Seele zarteste Saiten zu finden;Hat Einer gar eine durchschimmernde Haut,Du sollst ihn nicht züchtigen, sondern ergründen.
Ist Einer über und über behaart,Dann magst du ihn nach Gefallen bewitzeln.Kitzliche zu kitzeln ist Knabenart;Ein Mann liebt vielmehr den Kitzelnden zu kitzeln.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Die vier Jahreszeiten, 1. Auflage, Albert Langen, Verlag für Litteratur und Kunst, München, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Menschlichkeit“, Fassung 3.780.087 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Frank Wedekind starb 1918; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1988 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118629867 der Deutschen Nationalbibliothek.
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