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Versbuch

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Sonette: 65 Gedichte im Bestand

Sonett steht auf dieser Seite nur dort, wo die Quelle es selbst so nennt – die Kategorie bei Wikisource oder der Band, aus dem der Text übernommen wurde. Vierzehn gezählte Zeilen allein genügen dafür nicht. 65 Gedichte sind es, unter anderem von Gustav Schwab, Heinrich Heine und Andreas Gryphius, jedes vollständig und mit der Ausgabe, aus der es stammt; die Zeilenzahl steht bei jedem Eintrag.

65 Gedichte von 9 Verfasserinnen und Verfassern

Alle Gedichte: Sonette

Kürzestes zuerst. Jede Zeilenzahl ist gezählt, nicht geschätzt.

Woran man ein Sonett erkennt – und wofür es sich eignet

Im Bestand stehen 65 Sonette. Am häufigsten vertreten ist Gustav Schwab mit 19 Gedichten, danach folgen Heinrich Heine und Andreas Gryphius mit je 13, Alfred Henschke mit 10 und Louise Otto-Peters mit 4. Karl Streckfuß ist mit 3 Stücken verzeichnet, Justinus Kerner und Wilhelm Müller mit je einem. Das ist eine überschaubare Abteilung, in der aber weit auseinanderliegende Jahrhunderte nebeneinander stehen: Gryphius’ „Abend“ kommt aus einer Ausgabe von 1658, die dreizehn Sonette Heines aus einem Druck von 1827. Wer hier auswählt, hat es also nicht mit einer Stilrichtung zu tun, sondern mit einer Bauform, die über Jahrhunderte in Gebrauch blieb.

Die Bauform ist schnell beschrieben. Vierzehn Verszeilen, klassisch geteilt in zwei Vierzeiler und zwei Dreizeiler, oft mit einem hörbaren Einschnitt nach der achten Zeile: erst wird etwas aufgebaut, dann gewendet. Wer eine Seite aufschlägt und zwei kompakte Blöcke über zwei kleineren sieht, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Sonett vor sich. Die Reime laufen in festen Mustern durch, was beim Vorlesen dafür sorgt, dass das Ende der Zeile erwartet wird. Diese Beschreibung hilft beim Wiedererkennen; sie entscheidet aber nicht darüber, was auf dieser Seite gelistet ist.

Darüber entscheidet die Vorlage. Ein Gedicht steht hier, weil die Quelle es als Sonett führt – nicht, weil eine Zählung auf vierzehn gekommen ist. Es gibt vierzehnzeilige Gedichte, die niemand so genannt hat, und die fehlen deshalb in dieser Liste. Umgekehrt bleibt ein Stück, das die Vorlage als Sonett bezeichnet, auch dann hier stehen, wenn die Zählung abweicht. Die Zahl neben jedem Titel ist ausgezählt, nicht geschätzt, und sie meint die Verszeilen des abgedruckten Textes. Sie ist die verlässlichste Angabe für alle, die wissen müssen, wie viel Text am Ende auf dem Papier landet.

Die Spanne reicht von 13 bis 154 Zeilen. Dreizehn kommt häufig vor, weil bei vielen Einträgen die erste Verszeile zugleich die Überschrift ist. „Ich möchte weinen, doch ich kann es nicht“ steht als Titel, darunter setzt der Text mit „Ich möcht’ mich rüstig in die Höhe heben,“ fort – gezählt werden dann die dreizehn Zeilen unterhalb der Überschrift. Am anderen Ende steht ein Eintrag mit 154 Zeilen; was dort unter einem Titel versammelt ist, ist längst kein einzelnes vierzehnzeiliges Gedicht mehr, sondern eine ganze Folge. Ein Blick auf die Zeilenzahl vor dem Ausdrucken erspart eine Überraschung.

Kein einziges Gedicht dieser Abteilung hat zwölf Zeilen oder weniger. Für eine Karte heißt das: Ein Sonett passt selten ganz. Vier bis zwölf Zeilen sind das Maß, das unter ein Foto, auf eine Klappkarte oder in eine Anzeige geht; vierzehn Zeilen brauchen eine ganze Innenseite und einen Satzspiegel, der nicht gedrängt wirkt. Für eine Rede, eine Andacht oder eine Unterrichtsstunde ist dieselbe Länge dagegen günstig. Sie trägt einen Gedanken bis zum Schluss, ohne dass die Zuhörenden den Anfang verloren haben. Gesucht wird hier also eher, was vorgelesen wird, als was überflogen wird.

Wird nur ein Teil gebraucht, ist ein Auszug möglich – er muss nur als Auszug erkennbar bleiben. Üblich ist, die ersten vier oder acht Zeilen zu nehmen oder die drei Schlusszeilen, und darunter zu vermerken, dass es sich um einen Ausschnitt handelt. Ein „Aus:“ vor dem Titel reicht dafür schon. Das ist keine Vorschrift, sondern Redlichkeit gegenüber dem Text und gegenüber allen, die ihn später vollständig suchen. Wer den ganzen Wortlaut braucht: Auf der jeweiligen Gedichtseite steht er ungekürzt, auch bei den langen Einträgen, die mehrere Stücke unter einer Überschrift führen.

Alle Verfasser dieser Sammlung sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot, das Sterbejahr jeweils einzeln aus dem Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek belegt (§ 64 in Verbindung mit § 69 UrhG). Die Texte sind damit gemeinfrei: Sie dürfen abgeschrieben, gedruckt, vertont, in ein Programmheft gesetzt und auch verkauft werden, ohne dass jemand gefragt werden müsste. Eine Grenze bleibt: Erloschen ist das Recht des Verfassers, nicht das an einer Übersetzung oder an einer neueren Bearbeitung. Übersetzungen und Bearbeitungen sind nach § 3 UrhG eigenständig geschützt, und gerade beim Sonett kursieren viele Fassungen aus zweiter Hand. Was hier steht, ist der deutsche Wortlaut der genannten Ausgabe.

Eine Quellenangabe ist nach Ablauf der Schutzfrist keine Pflicht mehr. Sie kostet trotzdem eine Zeile und beantwortet die erste Rückfrage, die im Publikum kommt. Bewährt hat sich: Verfasser, Titel in Anführungszeichen, danach die Druckausgabe mit ihrem Jahr, so wie sie beim Gedicht angegeben ist – bei Gryphius’ „Abend“ also der Verfassername, der Titel und die Ausgabe von 1658. Steht unter dem Text ein Ausschnitt, gehört das Wort „Auszug“ dazu. Für ein Programmheft oder eine Traueranzeige genügt diese eine Zeile in kleiner Schrift; in einer Schulstunde ist sie zugleich die Antwort auf die Frage, woher der Text kommt.

Die alten Schreibungen sind keine Druckfehler. Bei Gryphius beginnt „Abend“ mit „DEr schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /“ – die beiden Großbuchstaben am Zeilenanfang sind Satzgebrauch des 17. Jahrhunderts, und der Schrägstrich steht dort, wo heute ein Komma stünde. Bei Heine, gedruckt 1827, findet man „Mährchen“, „bischen“ und „wehmuthweicher“ ebenso wie Apostrophe in „Gieb her die Larv’“. Solche Formen bitte stehen lassen und nicht stillschweigend modernisieren; wer sie doch anpasst, sollte es dazusagen. Wer sie behält, druckt den Text so, wie die genannte Ausgabe ihn führt.