Nachtklage
Gustav Schwab · 1792–1850
14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Ein holder Jüngling, sagen uns die Alten,Erscheint allnächtlich an der Ruhestätte,Er neigt sich sinnbethörend über’s Bette,Still weiß er mit des Mohnes Kraft zu walten.
Das ist der Schlaf, er glättet alle Falten,Zerreißt des Lebens ew’ge Bilderkette,Und, daß er von des Tags Getrieb’ uns rette,Führt er den Reigen süßer Traumgestalten.
Ich sah ihn lange nicht, es naht statt seinerEin ander Bild mir schon seit vielen Nächten,Ein holdes Mägdlein ist es anzusehen.
Doch nicht erbarmt es, wie der Schlaf, sich meiner,Und, lächelt’s gleich aus dunkeln Lockenflechten,In Angst und Liebesschmerz muß ich vergehen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 42, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Nachtklage“, Fassung 1.526.364 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.