Thränen deß Vaterlandes / Anno 1636
Andreas Gryphius · 1616–1664
14 Zeilen · zuerst gedruckt 1658
WIr sind doch nunmehr gantz / ja mehr denn gantz verheeret!Der frechen Völcker Schaar / die rasende PosaunDas vom Blutt fette Schwerdt / die donnernde Carthaun.Hat aller Schweiß / vnd Fleiß / vnd Vorrath auff gezehret.Die Türme stehn in Glutt / die Kirch ist vmbgekehret.Das Rahthaus ligt im Graus / die Starcken sind zerhaun.Die Jungfraun sind geschänd’t / vnd wo wir hin nur schaunIst Feuer / Pest / vnd Tod / der Hertz vnd Geist durchfähret.Hier durch die Schantz vnd Stadt / rinnt allzeit frisches Blutt.Dreymal sind schon sechs Jahr / als vnser Ströme Flutt /Von so viel Leichen schwer / sich langsam fortgedrungenDoch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /Was grimmer denn die Pest / vnd Glutt vnd HungersnothDas auch der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Freuden vnd Trauer-Spiele auch Oden vnd Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. Sonnette. Das Erste Buch. S. 14f., Johann Lischke, Breßlau, 1658
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Thränen deß Vaterlandes Anno 1636“, Fassung 2.272.579 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Andreas Gryphius starb 1664; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1734 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118543032 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.