Sonette
Louise Otto-Peters · 1819–1895
30 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1893
1840.
O haltet mich mit Bitten nicht zurückeWenn ich im Sehnen nach der Freiheit LichteZu hohen Zielen meine Blicke richte,Von keinem Glück weiß als vom Völkerglücke.
Mir ward einmal die Weisung vom GeschickeDaß ich im Schaun prophetischer GesichteDem Dienst der Zukunft freudig mich verpflichte,Von keinem Glück weiß als vom Völkerglücke.
Ihr Glücklichen! Ihr mögt in Eurem FriedenDen Gatten weihn zum Kampf für’s VaterlandIn Euren Kindern Streiter ihm erziehen.
Ich aber habe nichts ihm, nichts zu bietenAls meiner Lieder kühnen Freiheitsbrand,Das Einzige was mir mein Gott verliehen.
II.
Wie jener Maid im schönen FrankenlandeDie heilge Jungfrau einstens ist erschienenUnd sie vermocht ihr ewig treu zu dienen,Ein zartes Weib im kriegrischen Gewande:
So trat zu mir befreit vom ErdenbandeDie Muse mit den götterselgen Mienen,Hat mich vermocht ihr ewig treu zu dienen,Gab mir den Weihekuß zum Bundespfande.
So will auch ich die heilge Fahne schwingenUnd der Begeistrung Oriflamme tragen,Mit Liederschwertern unsre Feinde schlagen!
Die reine Magd kann jegliches vollbringen:Der höchsten Kunst hab ich mich ganz ergeben,Treu bis zum Tode durch das ganze Leben! –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 6-7, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Sonette I (Louise Otto)“, Fassung 3.534.332 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.