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Versbuch

Tiedge

Louise Otto-Peters · 18191895

14 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1893

Ein Dichtergreis mit weißen Silberhaaren,Schon nahe an des Lebens letzter GrenzeUnd ich, ein Kind das in des Lebens LenzeSich schüchtern mischt in seiner Freunde Schaaren.

Ein Priester war er mir im Reich des Wahren,Als ob ein Heilgenschein sein Haupt umglänze,„Urania“ es selbst mit Sternen kränzeSich ihrem Sänger so zu offenbaren.

Ein Priester, der im sanften HandauflegenAuf meine Locken mich der Muse weihteUnd so mir gab den ersten Dichtersegen.

In seine Hand schwor ich’s mit heilgem Eide:Was mein auch harrt auf künft’gen Lebenswegen;Der Muse bleib ich treu im Glück und Leide.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Mein Lebensgang. Gedichte aus fünf Jahrzehnten. S. 5, 1. Auflage, Moritz Schäfer, Leipzig, 1893
Digitalisat
de.wikisource.org — „Tiedge (Louise Otto)“, Fassung 1.526.340 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Louise Otto-Peters starb 1895; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1965 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118590901 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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