Einsamkeit
Andreas Gryphius · 1616–1664
14 Zeilen · zuerst gedruckt 1658
IN dieser Einsamkeit / der mehr denn öden Wüsten /Gestreckt auff wildes Kraut / an die bemößte See:Beschau’ ich jenes Thal vnd dieser Felsen Höh’Auff welchem Eulen nur vnd stille Vögel nisten.Hier / fern von dem Pallast; weit von deß Pövels Lüsten /Betracht ich: wie der Mensch in Eitelkeit vergeh’Wie / auff nicht festem Grund’ all vnser Hoffen steh’Wie die vor Abend schmähn / die vor dem Tag vns grüßten.Die Höl’ / der rauhe Wald / der Todtenkopff / der Stein /Den auch die Zeit aufffrist / die abgezehrten Bein.Entwerffen in dem Muth vnzehliche Gedancken.Der Mauren alter Grauß / diß vngebau’te LandIst schön vnd fruchtbar mir / der eigentlich erkant /Daß alles / ohn ein Geist / den Gott selbst hält / muß wancken.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Freuden vnd Trauer-Spiele auch Oden vnd Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. Sonnette. Das Ander Buch. S. 32, Johann Lischke, Breßlau, 1658
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Einsamkeit (Gryphius)“, Fassung 2.357.441 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Andreas Gryphius starb 1664; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1734 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118543032 der Deutschen Nationalbibliothek.
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