Am Sophientage
Gustav Schwab · 1792–1850
30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1828
1.Von jener Weisheit, die vor Gottes ThronenVerständig, heilig, einig, mannichfaltig,Rein, freundlich, sanft und klar und doch gewaltig,Von Anbeginn mitschöpfend durfte wohnen:
Von ihr, die alldurchleuchtend MillionenVon Sternenheeren tränkt und vielgestaltigIn allem Dinge wirket, lebenshaltig,Und, wen sie liebt, will überschwänglich lohnen:
Von ihr hast du nicht blos des Namens Schöne,Der deinem holden Wesen ruft, bekommen,An ihres Geistes Strahl bist du zu kennen;
Und wenn der seligste der ErdensöhneDir in die Augen schaut, die tiefen, frommen,Fühlt er, daß man Sophia muß dich nennen.
2.Der Monat, der, von Sonnenglanz umflossen,Was nur die Erde Blühendes mag tragen,In seinen einunddreißig süßen TagenMit warmer Frühlingslust hält eingeschlossen:
An dem auf allen Bäumen Blüthen sprossen,Die Rosen sich aus ihren Knospen wagen,Die Liljen in die blauen Lüfte ragen,Und Alles Duft und Licht hat übergossen;
Wie sollte dem die höchste Zierde fehlen,In dem sich finden alle Lieblichkeiten,Sollt’ er das Lieblichste nicht in sich zählen?
Nein! mitten recht in seinem Heiligthume,Von wannen alle Schimmer sich verbreiten,Erwächst dein Name mir, die schönste Blume.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 91–92, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Am Sophientage“, Fassung 1.526.366 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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