Lied in der Mark
Gustav Schwab · 1792–1850
32 Zeilen in 4 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Schad’ ist’s um den blauen Himmel,Schad’ ist’s um den Sonnenschein,Schad’ um’s lustige GewimmelWohnungsloser Vögelein!Sonn’ und Luft hat kein Ergötzen,Scheint und weht auf öden Sand,Vogel kann sich nirgends setzen,Weil kein Schattenbaum im Land!
Nur um Eines ist’s nicht Schade,Eines mag ich gerne sehn:Wenn behend auf SandespfadeZwei der zärt’sten Füßchen gehn;Wenn begrüßen mich zwei Augen,Rein und hell, nordhimmelblau,Draus sich läßt mehr Wonne saugen,Als aus Wald und Blumenau!
Wunderschöne, nord’sche Blume,Aus der kalten Mark erblüht,Dir allein zu Trost und RuhmeSonne noch und Himmel glüht;Auf das öde Land zu blicken,Kann sie nimmermehr gereun:Darf nur sie dir Lichter schicken,Darf nur er dir Lüfte weihn.
Möge dir der Herr behütenDeines Hauptes Lockenlaub,Deiner Wang’ und Augen Blüthen,Deiner Wimpern Blumenstaub,Deiner Lippen süße Früchte,Deinen Wuchs, du schlankes Reis!Wenn ich von dir sing’ und dichte,Grünt der Sand und blüht das Eis!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 68–69, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lied in der Mark“, Fassung 1.371.592 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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