Zum 17. Februar 1822
Gustav Schwab · 1792–1850
40 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Seine Hoffnung und sein SehnenIst’s, was an der Liebsten FestUnter Seufzern, unter Thränen,Jünglings Leier tönen läßt.Wer in seines Weibes Arme,Zwischen Kinderwiegen, ruht,Wie kann der von LiebesharmeSingen und von Sehnsuchtsgluth?
Aber – Miteinander lieben,Lohnt es keinen Leierklang?Weil die Blüthe Frucht getrieben,Tönt vom Baum kein Vogelsang?Anders mag das Lied erschallen,Aber jubeln wird es doch.Frühling würde nicht gefallen,Folgte nicht ein Sommer noch.
Miteinander zu erstreben,Miteinander zu verstreun,Und zu nehmen, und zu geben,Und nach Leide sich zu freun;Miteinander zu verlachenStolz und Geiz der armen Zeit,Eins das Andre zu bewachenIn dem Strom der Eitelkeit; –
Miteinander zu entbrennen,Wo’s die höchsten Güter gilt,Eins des Andern Herz zu kennen,Das von Freiheitsliebe schwillt,Aus der tücht’gen Kinder AugenJugendlust und Hoffnungsmuth,Und für’s Alter Trost zu saugen,Und zu flehn zum höchsten Gut; –
Miteinander so zu pflegenJeden irdischen Gewinn,Daß sich kehrt beim ErdensegenZu dem ew’gen Heil der Sinn; –Wenn am freudenreichen MorgenSolch Gefühl ist Liedes werth:Nun, so bleib’ es nicht verborgen,Ström’ es aus am eig’nen Heerd!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 99–100, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Zum 17. Februar 1822“, Fassung 3.467.095 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.