Die Achalm
Gustav Schwab · 1792–1850
41 Zeilen in 10 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Der Führer spricht zum Wandrer:Da steht noch Thurm und BurgverließVom Schloß, das ich genannt,Doch wie es einst vor Zeiten hieß,Ist Keinem mehr bekannt.
Die alte Sage spricht es kaumNoch halbvernehmlich nach,Wie einst die Burg auf diesem RaumVor zorn’ger Fehde brach.
Der Letzte war es vom Geschlecht,Der hier bestritten ward,Von Arme stark, von Sinn gerecht,Nach frommer Stammesart.
Er schirmt’ und schützte Hof und HausLang vor der stärkern Macht,Da trieben ihn die Flammen aus,Und mitten in die Schlacht.
Er ließ den Bau wohl stürzen ein,Er sah nicht hinter sich,Den Boden wollt’ er doch befrei’n,Der keinem Feuer wich. –
Den Pfeil, den todesträchtigen,Empfängt sein tapfres Herz,Sein Rufen zum AllmächtigenVerschlingt der letzte Schmerz.
Doch was er rief in letzter Noth,Das halbe Wort: Ach allm –Das hat gewiß getönt vor GottAls wie ein ganzer Psalm.
Ja selbst dem Feinde klang es schön,Das ernste Scheidewort,Er baute frisch auf diesen Höhn,Und hieß Achalm den Ort.
Das Menschenwerk zerfallen ist,Der Berg steht fest und hoch,Achalm so heißt zu dieser FristSein Gottesname noch.
Ihr Wand’rer, die ihr sinnet viel,Vergeßt nicht jenes Ach!Ihr Mägdlein hier auf Tanz und Spiel,Denkt fromm der Allmacht nach!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 327–328, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Achalm“, Fassung 3.469.032 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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