Zum Inhalt springen
Versbuch

Zum 18. Oktober 1814

Gustav Schwab · 17921850

44 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1828

Wie sollen wir ihn recht begehenDen Tag der Freiheit? fragt nicht lang!Seht ihr die Tempel Gottes stehen,Hört ihr der Morgenglocke Klang?

Erst tretet in der Kirche Mitten,Und weiht ihn mit Gebeten ein;Sie haben ihn mit Gott erstritten,Mit Gott soll er gefeiert seyn.

Fängt es dann lichter an zu tagen,So geht an deutschem Feld vorbei,Und laßt von jedem Thal euch sagen,Von jedem Hügel: wir sind frei!

Winkt gleich kein Segen von den Reben,Scheint gleich die Sonne nicht mehr warm:Sieg, Freiheit, Friede, Lust und Leben,Wem solches ward, der ist nicht arm.

Und Manchem liegt vom edlen WeineNoch viel in tiefer Keller Schacht;Bei Sonnen- und Kometen-ScheineWuchs er gedeihlich Tag und Nacht.

Noch in der Knechtschaft uns geborenLag trüb im Faß der beste Wein,Doch hatt’ er kaum erst ausgegohren,Da glänzt’ uns Moskau’s Flammenschein.

Drauf zugenommen von der StundeHat er an süßer, deutscher Gluth,Und als von Leipzig kam die Kunde,Bot er begeisternd seine Fluth.

Und nun, da ringsum die GefildeIn Ruhe feiern, frei und frank,Hat er zur Kraft gesellt die Milde,Ein rechter deutscher Friedenstrank!

Heut’ spendet eure reiche Habe,Vertheilet ihn mit rechtem Maas,Und schenket von der GottesgabeDem ärmsten Bruder auch ein Glas.

Vergeßt am heil’gen Tage Keinen!Auf Alle ließ der Herr der WeltDer Freiheit Sonne niederscheinen,Ein Fest sey Allen heut bestellt.

Von Hohen töne dann und NiedernEin fröhlicher Zusammenklang,Ein Lebewohl gefall’nen Brüdern,Dem freien Volk ein Lebelang.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 131–133, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „Zum 18. Oktober 1814“, Fassung 3.467.098 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Gustav Schwab

Alle Gedichte von Gustav Schwab ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Romantik

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.