Das Archiv.
Gustav Schwab · 1792–1850
41 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1882
1838.
Aus den tief gewölbten GründenSteigt zu Tage das Archiv,Wo es, voll geheimer Sünden,Viele hundert Jahre schlief.
Und der Graf, der zeucht, gebärdetÄngstlich sich mit seinem Schatz:Wandern soll er ungefährdetAus dem lang belegnen Platz.
Drum in siebenfaches EisenSchließt er sein Geheimnis ein,Und im Panzerhemde kreisenSieben Söldner um den Schrein.
Hinter ihm vergebens rasseltViel Bedrückter fluchend Wort,Schwer beladen, sicher prasseltDicht umringt der Wagen fort.
Durch der Knechte starre LanzenDringt kein Räuber auf dem Pfad,Und den eisenfesten SchanzenKein verstohlner Dietrich naht.
Sicher ist’s! so denkt mit WonneDicht zu Roß dabei der Graf.Da verfinstert sich die Sonne,Und der Wind erwacht vom Schlaf.
Lauft, ihr Knechte, jagt, ihr Rosse!Drunten winkt mein neues Haus! –Doch dem himmlischen GeschosseWeicht die Beute nicht mehr aus.
Wolken wehen dicht zusammen,Ferner Donner flucht herab,Endlich schickt ein Blitz die FlammenIn das erzumschloßne Grab.
Und wie Wachs schmilzt die Truhe,Drin es knistert, drin es brennt,Und aus seiner TotenruheFlackert auf das Pergament.
Foltersprüche, Fluchprozesse,Henkerthaten, Sündenglück,Alles sprühet aus der Esse –Und als Asche sinkt’s zurück.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gustav Schwabs Gedichte, 1882, S. 350–351, Berthelsmann, Gütersloh, 1882
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Archiv“, Fassung 4.813.207 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.