Lied im Norden
Gustav Schwab · 1792–1850
35 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Stehen denn die nord’schen WindeUnd das fremde BaumgesausAuch im Bund mit meinem Kinde,Daß sie sprechen leise, linde,Südlich ihren Namen aus?
Weil ich einmal sie verloren,Wollt’ ich hin, wo’s von ihr schweigt,Aber unheraufbeschworenKlingt der Nam’ in meinen Ohren,Und allwärts ihr Bild sich zeigt.
Wenn ich durch ein Dörflein ziehe,Abends in dem letzten Schein,Ruft’s wohl hier und da: Sophie!Wie ich zitt’re, wie ich glühe,Glaube gar, Sie wird es seyn!
Aber die dann kömmt gegangen,Trägt ein fremdes Angesicht,Blaues Auge, rothe Wangen,Blonder Haare seid’nes Prangen, –Ach du bist die Meine nicht!
Weiter muß ich einsam gehen,Nach dem dunkeln Lockenhaar,Ewig mit verlornem SpähenNach den stillen Wangen sehen,Und dem braunen Augenpaar.
Waldesbäume, rauscht ihr wieder?Nun so sprecht: gedenkt sie mein?Doch ihr lispelt trübe Lieder,Beugt die Häupter schüttelnd nieder,Wie zu einem langen Nein.
Ferne durch die Luft getragenRauscht der Ostsee Klang daher;Diesen Gang noch will ich wagen,Wenn die Wellen nach mir schlagen,Werf’ ich Lieb’ und Schmerz in’s Meer.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 70–71, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lied im Norden“, Fassung 1.366.547 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.