Die stille Stadt
Gustav Schwab · 1792–1850
24 Zeilen · zuerst gedruckt 1828
Nenne mir die stille Stadt,Die den ew’gen Frieden hat,Deren düstere GemächerSanft sich bauen grüne Dächer:Ueber ihrer Häuser ZinneWandelt ernst der Fremdling hin,Ziehet fort und hält nicht inne,Grauen fasset ihm den Sinn.Aber endlich tritt er wiederZitternd auf das morsche Dach,Und die Wölbung sinket nieder,Daß er stürzt in das Gemach.Drunten in den Hallen traurigSieht er da die Bürger ruhn,Alle liegen stumm und schaurig,Mögen keinen Gruß ihm thun.Die geschloss’ne Pforte kündetIhm sein ewig Bürgerrecht,Und der arme Wandrer findetBald ein Bettlein recht und schlecht,Ist des Prunkens müde worden,Schickt sich in den stillen Orden,Legt sich nieder in der Stadt,Die den ew’gen Frieden hat.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 15, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die stille Stadt“, Fassung 3.577.249 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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