An einen Freund
Gustav Schwab · 1792–1850
28 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Du liebest nicht das laute Lieben,Und, rühmt’ ich Dich vor aller Welt,Ich weiß, du hießest’s übertrieben,Wie Vieles, was Dir nicht gefällt.
Auch brauch’ ich ja Dich nicht zu nennen,Was ich Dir danke, sag’ ich nur,Und Mancher wird Dich drinn erkennen,Der deines Vorbilds Kraft erfuhr.
Daß ich geforschet im Gemüthe,Und nicht zum Worte Wort gereimt,Daß ich erstrebte keine Blüthe,Die aus der Wurzel nicht gekeimt;
Daß ich, was schlicht ist, was gedrungen,Gewählt, oft gegen eig’nen Sinn,Und wär’ es mir nur halb gelungen –Dein, Dein ist meines Lieds Gewinn! –
Es klaget Deutschland, weil zu früheDein innig Saitenspiel verklingt;Du aber ruhst von süßer Mühe,Da schon Dein Lied aus Andern singt.
Denn wie so Viele, die sich brüstenMit hochbewundertem Gesang,Sie würden schamroth, wenn sie wüßten,Daß Du sie lehrtest solchen Klang!
Doch mich laß immer froh gestehen,Daß ich Dein ält’ster Schüler bin:Will den in mir die Nachwelt sehen,So zieht mein Schatten aufrecht hin.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. IX–X, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An einen Freund (Schwab)“, Fassung 1.503.255 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
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