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Versbuch

An die deutschen Frauen

Gustav Schwab · 17921850

65 Zeilen in 16 Strophen · zuerst gedruckt 1828

1814.Nun uns Freiheit ist erstrittenIn Gedanken, That und Wort,Schaffet denn die fremden SittenIhr auch, deutsche Frauen, fort!

Ist nur erst aus euern HerzenAller welsche Sinn verbannt,Jenes Locken, Buhlen, Scherzen –Weicht von selbst der andre Tand.

Rühmt nicht lange hier und dortenVaterländischen Verein;All’ auf einmal aller OrtenSollen deutsche Weiber seyn.

Nicht in hohen Saales Mitte,In der alten Eitelkeit,Nach der üpp’gen Frankensitte,Wird die deutsche Tracht geweiht!

Fromm und mild soll sie gedeihenStill in jedem Kämmerlein,Wandeln soll sie dann im Freien,Eingeweiht vom Sonnenschein.

Nicht in stolzem Haargeflechte,Nicht in Sammt- und Seide-GlanzSollt ihr suchen euch das Rechte,Kinder unsres deutschen Lands.

Kränze schweben von den EichenEuch von selbst in’s schlichte Haar,Frische Waldesblüthen reichenEurer Brust zum Schmuck sich dar.

Eure lieben AngesichterSind noch aus der alten Zeit,Wie sie Maler uns und DichterEinst getreulich konterfeyt.

Jene herrlichen GeschlechterHaben Schönstes auch gekannt,Wählet ihrer hohen TöchterEdel zierliches Gewand.

Vieles wirkten sie und wobenIn dem stillen Frauenkreis,Also möget ihr erprobenNeu den anererbten Fleiß.

Wie sich’s Einmal dann gestaltet,Biet’ es stets dem Fremden Trutz,Denn was wechselt und veraltet,Ist nur eitler, welscher Putz.

Ganz in seine strenge HülleSchließ’ es rings die Glieder ein,Unerforscht, wie euer Wille,Sollen eure Reize seyn.

Mag der Fremde lüstern spähen,Schweigend, eingehüllt in ZuchtWird die deutsche Jungfrau stehen,Unzugänglich, unversucht.

Von des Landes treuen SöhnenEhrerbietig angeschaut,Reine Wünsche nur zu krönen,Wächst sie still heran zur Braut.

Solches singen wir in LiedernDichtend euch, ihr Frauen rein!Wollt es mit der That erwiedern,Deutsch an Leib und Seele seyn!

Wußt’ ein deutscher Mann zu schlagenTreu und fest die eig’ne Schlacht,Wiß’ ein deutsches Weib zu tragenFromm und rein die eig’ne Tracht!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte. 1. Band, S. 135–137, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
Digitalisat
de.wikisource.org — „An die deutschen Frauen“, Fassung 1.409.445 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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