Das Schäferfest
Gustav Schwab · 1792–1850
42 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1828
Drüben auf den grünen Feldern,Drüben zwischen dunkeln WäldernWogt das bunte Schäferspiel;Munt’re Knaben aus dem Städtchen,Rasche MädchenSputen sich zum frohen Ziel.
Jahre sind’s, da stand ich drüben,Ließ sie tummeln sich und üben,Sah mich nicht am Spiele blind,Neben mir im Glanz der Auen,Zuzuschauen,Stand das allerschönste Kind.
Als sie so zu schau’n sich mühte,Reines Bild in Engelsgüte,Bot ich schirmend ihr die Hand.Wie ihr’s aus den Aeuglein blinkte,Dankend winkte,Wie der Gruß ihr lieblich stand.
Drunten war ein Laufen, Scherzen,Aber mir im innern HerzenRegte sich geheimes Leid.„Könnt’ ich, ach, zum süßen MinnenDich gewinnen,Schäferin im schönsten Kleid!“
Also ging ich von dem Feste,Hatte wohl erschaut das Beste,Leuchtend stieg das Bild mir auf.Und so ward mein ganzes Leben,Ihr ergeben,Nur ein heißer Schäferlauf.
Wieder sind sie heut bei’m SpieleJagen nach dem schönen Ziele,Sie und mich sieht Keiner dort!Ach! wie Anders ist es heute,Fremde LeuteStehen an dem liebsten Ort.
Kümmerts mich, wer heute sieget,Wer am Ziele sich vergnüget,Wer das Kleinod an sich zieht?Fraget nicht, ob ich’s errungen –Ausgesungen,Ausgesungen sey mein Lied!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte. 1. Band, S. 54–55, Cotta, Stuttgart und Tübingen, 1828
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Das Schäferfest“, Fassung 2.549.948 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Gustav Schwab starb 1850; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1920 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118762745 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.