Der alte Fritz
Theodor Fontane · 1819–1898
41 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(Zur Enthüllungsfeier des Friedrich-Denkmals im August 1851.)
Bist endlich da! Gott sei’s geklagt,Hast lange warten lassen;Nun lehr’ uns wieder, unverzagtDen Feind beim Schopfe fassen,Den Feind in Ost, den Feind in West,Die Feinde drauß und drinnen,Zerreiß die Netze dicht und fest,Womit sie uns umspinnen.
Blitz’ nur herab von Deiner Wacht,Solch Wächter mag uns taugen:Wir brauchen wieder, Tag und Nacht,Die Alten-Fritzen-Augen;Blitz’ nur herab! und wenn im NuDie Schleicher Du errathen,Dann heb den Stock und droh: „Du, Du!“Wie weiland dem Kroaten.
Blitz’ nur herab von Deiner Wacht;Und wenn uns Feinde spotten,Pandurenthum und SlawenmachtSich rings zusammenrotten,Dann, Dir zu Füßen, weck’ und wink’Dem alten Leibhusaren,Und sprich: „He, Zieten, sattl’ Er flink,Wir woll’n mal drunter fahren.“
Vor allem aber blitz’ ins HerzDen Lenkern und den Leitern,Sei Du das Vorgebirg von ErzDran ihre Aengste scheitern;Ruf ihnen zu: „mein war der MuthDies Preußen aufzurichten,Es thut nicht gut, es thut nicht gutSolch Zagen und Verzichten.
„Wohl, angesichts von meinem Schloß,Mag ich hier droben wohnen,Doch gilt’s mein Volk – mit Mann und RoßEinschmelzt mich zu Kanonen;Wohl thron’ ich hier auf sichrem Sitz,Mein Schimmel selbst ward erzen,Doch sichrer thront der alte FritzIn alten Preußenherzen.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 333–334, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Der alte Fritz (Fontane)“, Fassung 2.166.175 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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