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Versbuch

Der 6. November 1632

Theodor Fontane · 18191898

41 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1905

(Schwedische Sage.)

Schwedische Haide, Novembertag,Der Nebel grau am Boden lag,Hin über das Steinfeld von DalarnHolpert, stolpert ein Räderkarrn.

Ein Räderkarrn, beladen mit Korn;Lorns Atterdag zieht an der Deichsel vorn,Niels Rudbeck schiebt. Sie zwingen’s nicht,Das Gestrüpp wird dichter, Niels aber spricht:

„Busch-Ginster wächst hier über den Steg,Wir gehn in die Irr’, wir missen den Weg,Wir haben links und rechts vertauscht, –Hörst Du wie der Dal-Elf rauscht?“

„„Das ist nicht der Dal-Elf, der Dal-Elf ist weit,Es rauscht nicht vor uns und nicht zur Seit’,Es lärmt in Lüften, es klingt wie Trab,Wie Reiter wogt es auf und ab.

„„Es ist wie Schlacht, die herwärts dringt,Wie Kirchenlied es dazwischen klingt,Ich hör’ in der Rosse wieherndem Trott:Eine feste Burg ist unser Gott!““

Und kaum gesprochen, da Lärmen und Schrein,In tiefen Geschwadern bricht es herein,Es brausen und dröhnen Luft und Erd’,Voraus ein Reiter auf weißem Pferd.

Signale, Schüsse, Rossegestampf,Der Nebel wird schwarz wie Pulverdampf,Wie wilde Jagd so fliegt es vorbei; –Zitternd ducken sich die Zwei.

Nun ist es vorüber … da wieder mit MachtRückwärts wogt die Reiterschlacht,Und wieder dröhnt und donnert die Erd’Und wieder voraus das weiße Pferd.

Wie ein Lichtstreif durch den Nebel es blitzt,Kein Reiter mehr im Sattel sitzt,Das fliehende Thier es dampft und raucht,Sein Weiß ist tief in Roth getaucht.

Der Sattel blutig, blutig die Mähn’,Ganz Schweden hat das Roß gesehn; –Auf dem Felde von Lützen am selben TagGustav Adolf in seinem Blute lag.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 230–231, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der 6. November 1632 (Fontane)“, Fassung 3.081.845 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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