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Versbuch

Epoche

Gedichte des Realismus

Der Realismus umfasst hier 696 Gedichte, drei Viertel davon von Theodor Fontane, Conrad Ferdinand Meyer und Wilhelm Busch. Die Spanne reicht vom Zweizeiler bis zu 687 Zeilen; 201 Gedichte bleiben unter dreizehn Zeilen. Zu jedem Text ist die Druckausgabe genannt, aus der er stammt.

696 Gedichte von 10 Verfasserinnen und Verfassern · davon 201 mit höchstens 12 Zeilen

Verfasserinnen und Verfasser dieser Epoche

Nach Geburtsjahr geordnet.

Gedichte aus dieser Epoche

120 von 696 Gedichte, kürzestes zuerst. Die vollständige Liste steht auf der Seite der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers.

Wer hier steht, wie lang die Texte sind, was Sie damit dürfen

Der Epochenname gehört in diesem Verzeichnis zum Verfasser. Ein Autor, den die Literaturgeschichte dem Realismus zurechnet, erscheint mit seinem ganzen hier vorliegenden Werk unter dieser Überschrift – gleich, ob ein Gedicht 1882 oder erst in einer Ausgabe des 20. Jahrhunderts gedruckt wurde. Das hat den Vorteil, dass man ein Werk zusammen sieht, und den Nachteil, dass die Überschrift über einzelnen Stücken nicht immer viel erklärt. Wer nach einem Ton sucht und nicht nach einer Schublade, liest deshalb besser die Anfangszeilen als die Epochenangabe.

Theodor Fontane steht mit 258 Gedichten hier, Conrad Ferdinand Meyer mit 188, Wilhelm Busch mit 186. Danach wird es schnell dünn: Ada Christen mit 44, Theodor Storm mit 13, Marie von Ebner-Eschenbach und Emanuel Geibel mit je 2, Gottfried Keller mit einem einzigen Gedicht. Diese Verteilung sollte man kennen, bevor man gezielt sucht. Wer ein Storm-Gedicht für eine Sommerfeier braucht, hat dreizehn zur Auswahl – etwa „Juli“ von 1889, sechs Zeilen, beginnend „Klingt im Wind ein Wiegenlied,“.

Ganz kurze Stücke gibt es vor allem als Spruch. Meyers „Vor einer Büste“ von 1882 besteht aus zwei langen Zeilen; die erste lautet „Bist du die träumende Bacche? Der Sterblichen lieblichste bist du!“. Fontanes „Wahl“, 1905 gedruckt, hat ebenfalls zwei Zeilen und beginnt trocken: „Du hast die Wahl nur zwischen zwein:“. Zweizeilig ist auch „Unter ein Bildniß Adolf Menzel’s“ von 1905. Solche Stücke stehen gut über einem Programm, unter einem Foto oder als Motto vor einer Rede, wo ein langes Gedicht den Anfang erschlagen würde.

Im Bereich von vier bis sechs Zeilen liegt der brauchbarste Vorrat. Von Conrad Ferdinand Meyer stammen „Liebesjahr“, „Maientag“ – „Englein singen aus dem blauen Tag,“ – und „Wund“, alle 1882 gedruckt und vierzeilig; sechs Zeilen haben „Der Reisebecher“ und „Neujahrsglocken“ aus demselben Band. Fontane liefert „Beim Lesen einer Spruchsammlung“ mit dem Anfang „Wie wohl mir’s thut,“ und „Geschichtschreibung“, beide 1905, beide vier Zeilen. Von Marie von Ebner-Eschenbach stehen die sechszeiligen Stücke „Das Schiff“ und „Ein kleines Lied“ zur Verfügung.

Zur Länge eine Faustregel: Was auf eine Karte soll, hat vier bis zwölf Zeilen; was eine Ansprache eröffnet, darf zwei Zeilen haben; was vorgelesen wird, verträgt zwanzig und mehr. Das längste Stück dieser Gruppe hat 687 Zeilen und gehört in eine Lesung, nicht in eine Traueranzeige. Wird nur eine Strophe verwendet, gehört der Hinweis darauf unter den Text – „erste Strophe aus …“. Das ist keine Formalität: Ohne den Hinweis liest der Empfänger einen Anfang als Ganzes und wundert sich über den Schluss.

Rechtlich sind Sie hier frei. Alle Verfasser sind seit mindestens siebzig vollen Kalenderjahren tot, ihr Urheberrecht ist damit erloschen (§ 64, § 69 UrhG), und das Sterbejahr stammt jeweils aus dem GND-Datensatz der Deutschen Nationalbibliothek. Sie brauchen weder Erlaubnis noch Lizenz, um ein Fontane-Gedicht in eine Schulmappe, ein Meyer-Gedicht in ein Konzertprogramm oder einen Busch-Vers auf ein Geburtstagsplakat zu setzen. Auch Vertonung, Verfilmung, Abwandlung und Verkauf sind erlaubt. Was weiter geschützt bleibt, sind Übersetzungen und neuere Bearbeitungen (§ 3 UrhG).

Die Jahreszahl neben einem Gedicht nennt die Ausgabe, aus der der Text hier stammt – nicht das Jahr, in dem er geschrieben wurde. Deshalb steht bei Wilhelm Buschs „Wenn alles sitzenbliebe“ die Angabe [1960] und bei zwei Gedichten von Ebner-Eschenbach die Jahreszahl 1982: Das sind spätere Druckausgaben gemeinfreier Texte. Für eine Quellenangabe ist diese Zahl die richtige, denn sie sagt, welcher Wortlaut hier wiedergegeben wird. Wer aus einer anderen Ausgabe zitiert, kann in Einzelheiten der Schreibung abweichen.

Alte Schreibungen sind stehen geblieben. „Wie wohl mir’s thut,“ bei Fontane trägt das h, das im 19. Jahrhundert in „thun“ üblich war und erst 1901 amtlich abgeschafft wurde. „Bildniß“ mit ß statt s zeigt dieselbe ältere Norm. Bei Meyer schreibt sich „langvergessnen“ ohne das e, das man heute setzen würde – eine Verkürzung, die im Vers das Maß hält. Nichts davon ist ein Fehler dieser Sammlung; es ist der Wortlaut der genannten Ausgabe, und wer ihn abschreibt, übernimmt ihn am besten unverändert.