Konservatives Klagelied
Rudolf Lavant · 1844–1915
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1965
Es ist doch eine Schmach und Schande,Im einzelnen wie überhaupt,Was diese rote SchwefelbandeIm deutschen Reichstag sich erlaubt!
Wir machten stets noch den SoldatenMit feierlichem Nachdruck klar,Daß Bebel solch ein TeufelsbratenUnd Singer noch was Ärg’res war.
Jetzt aber haben ohne ZaudernSie einen Antrag eingebracht,Der sicher sie – man möchte schaudern! –Zum Abgott der Soldaten macht.
Was sollen wohl die Kerle denken,Wenn Bebel jetzt ihr Traktament,Um ihre Gunst auf sich zu lenken,Vollständig unzureichend nennt?
Nicht eingefuchst auf solche Kniffe,Verfallen sie der Gier nach Geld;Es werden sämtliche BegriffeBei ihnen auf den Kopf gestellt.
So hüllt sich dann in einen NebelDer Roten wahre Absicht ein,Und der Soldat denkt: „Dieser BebelMuß ein scharmantes Männchen sein!“
Auf diese Art erwirbt im HeereSich schließlich warme SympathieDie scheußlich destruktive LehreDer Sozialdemokratie.
Welch Unheil wird daraus entstehn –Das Reich muß stracks zugrunde gehn!Ja, gibt’s denn gegen solch GehetzGar keinen Schutz im Strafgesetz??
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Rudolf Lavant Gedichte, 3. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1965
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Konservatives Klagelied“, Fassung 3.492.518 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.