Zum Inhalt springen
Versbuch

Im Hurliberge

Heinrich Kämpchen · 18471912

41 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1909

(Eine Volkssage.)

Der Hurliberg, der alte,Ragt weit ins Land hinein,Und wenn die Sonne strahlet,Umglüht ihn gold’ner Schein.

Dort wohnt die graue SageUnd hält getreulich HutBeim Schatze, der im HurliWer weiß wie lange ruht.

Einst hat der WichtelkönigIhn tief darin versenkt,Als er von bösen MenschenIn seinem Recht gekränkt.

Doch wer die Stund’ erpassetUnd kennt das Zauberwort,Dem tut sich auf die HalleIm grauen Felsen dort.

Der sieht Geräte silbernUnd gülden ohne Zahl,Und kann davon sich wählenGanz frei nach eig’ner Wahl.

Ein Hirt’ vor vielen JahrenErschaute diese Pracht,Doch in der Gier des WählensHat er der Zeit nicht acht.

Die Stunde ist verronnen,Zu spät gemahnt’s ihn dran –Umsonst sein Fleh’n und Pochen,Ihn hält der Zauberbann.

Er muß im Berg verharren,So lautet das Gebot,Bis ihn ein and’rer wiederBefreit aus seiner Not.

Und wer in stillen NächtenAm Hurliberge geht,Hört oft ein fernes Tönen,Wie halb vom Wind verweht.

Es klingt wie dumpfes KlagenAus tiefer Bergeskluft –Das ist der arme Hirte,Der nach Erlösung ruft.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Was die Ruhr mir sang, S. 40-41, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
Digitalisat
de.wikisource.org — „Im Hurliberge (Kämpchen)“, Fassung 1.097.786 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

Mehr von Heinrich Kämpchen

Alle Gedichte von Heinrich Kämpchen ansehen

Gedichte aus dieser Epoche: Naturalismus

Die Epoche ist die übliche literaturgeschichtliche Einordnung des AUTORS, nicht des einzelnen Gedichts. Ein spätes und ein frühes Werk desselben Verfassers stehen deshalb hier zusammen. Bei einigen Autoren ist die Einordnung geteilt; das steht dann auf der Epochenseite.