Die Leichtweishöhle bei Wiesbaden
Heinrich Kämpchen · 1847–1912
42 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1909
Im Taunus liegt ein Räuberschloß,Versteckt im Waldesgrunde,Benamset wie der RaubgenoßVon dem dies Lied gibt Kunde.Der Leichtweis war’s, der im VereinGehaust hier mit dem Weibe seinUnd noch sechs Spießgesellen. –
Sein Schloß lag in der Erde tiefIn Kluft und Stein verborgen,Das Moosbett, wo der Räuber schlief,Verscheuchte Gram und Sorgen.Bot doch der Wald ihm Wild genug,Die nahe Quelle füllt’ den KrugUnd Raub gab reiche Beute. –
Noch steht darin der Tisch von Stein,An dem die RaubgenossenBeraten ihre Räuberei’nUnd was sie sonst beschlossen. –Auch lehnt daran noch das Gewehr,Die Steinschloßflinte, wuchtig schwer,Von Leichtweis einst getragen. –
Hier hat er sieben Jahre langVerborgen tief gehauset,Wohin kein Strahl der Sonne drang,Von manchem Sturm umsauset –Als Wildschütz, der den Wald durchzieht,Der Taunus war sein Jagdgebiet,Dazu als Räuberkönig. –
Dann aber schlug die Stunde sein,Wo er umgarnt, umstellet,Von flinken Jägern im Verein,Und wie ein Wolf gefället. –Umsonst wehrt sich der starke Mann,Er stürzte nieder in den TannUnd wurde überwältigt. –
Dies fand vor hundert Jahren stattIm Taunuswald dort oben,Und schon mit dunklem Schleier hatDie Sage es umwoben. –Wohl wird die Höhle noch gezeigt,Doch von dem End’ des Räubers schweigtIm Volke jede Kunde. –
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Was die Ruhr mir sang, S. 84-85, k. A., Hansmann & Co., Bochum, 1909
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Die Leichtweishöhle bei Wiesbaden (Kämpchen)“, Fassung 3.533.565 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Heinrich Kämpchen starb 1912; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1982 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 12060812X der Deutschen Nationalbibliothek.
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