Epoche
Gedichte des Barock
Der Barock ist hier ein kleiner, sehr einheitlicher Bestand: 42 Gedichte von zwei Verfassern, keines kürzer als 14 Zeilen und keines länger als 24. Die Texte stammen aus Drucken von 1658 und 1662 und stehen in der Schreibung dieser Ausgaben – mit Schrägstrichen statt Kommas und mit v für u.
42 Gedichte von 2 Verfasserinnen und Verfassern
Verfasserinnen und Verfasser dieser Epoche
Nach Geburtsjahr geordnet.
Gedichte aus dieser Epoche
42 von 42 Gedichte, kürzestes zuerst. Die vollständige Liste steht auf der Seite der jeweiligen Verfasserin oder des Verfassers.
- AbendAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An den gefangenen DicaeusAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An die SternenAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An die WeltAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An EugenienAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An Gott den Heiligen GeistAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An Gott den Heiligen GeistAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An JolindenAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An sich SelbstAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Auf den KornschnittCatharina Regina von Greiffenberg · 14 Zeilen
- Auff den Sontag deß ernehrenden Versorgers / oder VII. Sontag nach dem Fest der H. Dreyeinigkeit / Marc. 8.Andreas Gryphius · 14 Zeilen
- Beschluß deß XXIII. JahrsAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Das Letzte GerichteAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Der TodAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Der Welt WollustAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Die HölleAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Ebenbild unsers Lebens. Auff das gewöhnliche Königs-Spiel.Andreas Gryphius · 14 Zeilen
- EinsamkeitAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Es ist alles eitelAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Ewige Freude der AußerwehltenAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Grabschrifft eines trefflichen VorsprechersAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Menschliches ElendeAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- MitternachtAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Morgen SonnetAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Thränen deß Vaterlandes / Anno 1636Andreas Gryphius · 14 Zeilen
- Thränen in schwerer Kranckheit.Andreas Gryphius · 14 Zeilen
- Threnen in schwerer KranckheitAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Vber deß Herrn GefängnüßAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Vber die Geburt JesuAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- Vberschrifft an dem Tempel der SterbligkeitAndreas Gryphius · 14 Zeilen
- An den gecreutzigten JesumAndreas Gryphius · 15 Zeilen
- Gedenckt an Loths WeibAndreas Gryphius · 15 Zeilen
- MittagAndreas Gryphius · 15 Zeilen
- Vber deß Herrn LeicheAndreas Gryphius · 15 Zeilen
- An H. Christoph von DihrAndreas Gryphius · 16 Zeilen
- Nichts als JesusCatharina Regina von Greiffenberg · 18 Zeilen
- Aus Liebe und VorsatzCatharina Regina von Greiffenberg · 19 Zeilen
- Sicut urinata lignaAndreas Gryphius · 19 Zeilen
- Je tieffer, je HöherCatharina Regina von Greiffenberg · 22 Zeilen
- Flut und Flammen Sind beysammenCatharina Regina von Greiffenberg · 24 Zeilen
- Verwundet für die VerwundtenCatharina Regina von Greiffenberg · 24 Zeilen
- Zum ruffen BeruffenCatharina Regina von Greiffenberg · 24 Zeilen
Zwei Verfasser, eine Form, eine ungewohnte Schreibung
Der kleinste Epochenbestand dieser Sammlung, und der geschlossenste: 35 Gedichte stammen von Andreas Gryphius, 7 von Catharina Regina von Greiffenberg. Wie überall gilt die Epochenangabe dem Verfasser und nicht dem einzelnen Stück – hier fällt das kaum auf, weil beide Verfasser dieselbe Zeit, dieselbe Form und einen verwandten Ton teilen. Wer also unter dieser Überschrift sucht, sucht in Wirklichkeit in zwei Werken, und beide sind hier nur in Ausschnitten vertreten, nicht vollständig.
Auffällig ist die Zeilenzahl: Kein einziges Gedicht hier hat weniger als 14 Zeilen, das längste zählt 24. Sehr viele haben genau 14 – das ist die Zeilenzahl des Sonetts, der beherrschenden Form des deutschen Barock. „Abend“, „An die Sternen“, „An die Welt“, „An sich Selbst“, „Der Tod“ und „Das Letzte Gerichte“ von Gryphius, alle 1658 gedruckt, sind so gebaut. Wer ein vierzeiliges Sprüchlein sucht, findet es in dieser Gruppe nicht; wer eine geschlossene Form braucht, findet sie hier fast ausschließlich.
Die Anfänge zeigen den Ton. „Abend“ beginnt „DEr schnelle Tag ist hin / die Nacht schwingt ihre Fahn /“, „An die Sternen“ mit „IHr Lichter / die ich nicht auff Erden satt kan schauen /“. „An die Welt“ setzt ein: „MEin offt bestürmtes Schiff der grimmen Winde-Spiel“, „An sich Selbst“ mit „MIr grauet vor mir selbst / mir zittern alle Glieder“. Von Catharina Regina von Greiffenberg steht hier „Auf den Kornschnitt“ von 1662, ebenfalls 14 Zeilen: „SChneidet / schneidet ab mit Freuden / was der milde Himmel gibt /“.
Drei Dinge am Schriftbild irritieren beim ersten Lesen und sind alle korrekt. Der Schrägstrich – die Virgel – steht dort, wo heute ein Komma stünde; er war im 17. Jahrhundert das übliche Gliederungszeichen. Das v in „vnd“, zu sehen in „WEnn gleich kein Mittel wä’r / vnd aller Trost verschwinde:“, ist kein Tippfehler, sondern die damalige Schreibung von u am Wortanfang. Und die ersten beiden Buchstaben stehen groß – „DEr“, „IHr“, „MEin“ –, weil der Satz die Initiale hervorhob. Nichts davon sollte man stillschweigend glätten.
Beim Verwenden dieser Texte ist die Schreibung die eigentliche Entscheidung. Sie können buchstabengetreu übernehmen, dann wirkt der Text alt und fremd, aber er stimmt mit der genannten Ausgabe überein. Oder Sie modernisieren – Virgel zu Komma, „vnd“ zu „und“ – und schreiben dazu, dass die Schreibung angepasst wurde. Was man nicht tun sollte: halb modernisieren, sodass am Ende weder die alte noch die heutige Norm gilt. Auf einer Traueranzeige ist eine behutsam angeglichene Fassung meist lesbarer; in einer Schulstunde ist die alte Schreibung der Gegenstand.
Für die Auswahl nach Anlass heißt der Zuschnitt: Kein Gedicht dieser Gruppe passt vollständig auf eine kleine Karte. Vierzehn Zeilen brauchen eine ganze Seite oder eine große Karte, und sie wollen ruhig gesetzt werden, nicht gedrängt. Wer eine kurze Passage braucht, nimmt die ersten vier Zeilen – bei einem Sonett ist das die erste Strophe – und vermerkt darunter, dass es ein Auszug ist. Vorgelesen dauert ein solches Sonett etwa eine Minute; das ist für eine Andacht oder eine Rede eine gute Länge.
Titel wie „An Gott den Heiligen Geist“, „Auff den Sontag deß ernehrenden Versorgers“ oder „Beschluß deß XXIII. Jahrs“ zeigen, woher diese Gedichte kommen: aus geistlichen und aus Gelegenheitszusammenhängen. Zwei Stücke tragen hier denselben Titel „An Gott den Heiligen Geist“ und beginnen doch verschieden – das eine mit „BIßher habe ich die alte kalte Welt /“, das andere mit „O Feuer wahrer Lieb! O Brunn der guten Gaben!“. Wer eines davon zitiert, gibt deshalb besser die Anfangszeile mit an, sonst ist die Angabe nicht eindeutig.
Rechtlich ist der Fall so klar, wie er nur sein kann. Beide Verfasser sind im 17. Jahrhundert gestorben; die Schutzfrist von siebzig Jahren nach dem Tod (§ 64 UrhG, gerechnet ab dem Ende des Todesjahres, § 69 UrhG) ist um ein Vielfaches abgelaufen. Sie dürfen diese Sonette abschreiben, drucken, vertonen, in ein Buch setzen und dieses verkaufen. Anders liegt es bei neueren Bearbeitungen: Eine sprachlich modernisierte oder kommentierte Fassung kann nach § 3 UrhG eigenen Schutz genießen – dann ist nicht Gryphius maßgeblich, sondern der Bearbeiter.