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Versbuch

An Jolinden

Andreas Gryphius · 16161664

14 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1658

Was habt ihr / das ihr mögt an euch eur eigen nennen!Die Schminck ists / die euch so bluttrotte Lippen macht:Die Zähne sind durch Kunst in leeren Mund gebracht.Man weiß das Meisterstück / wordurch die Wangen brennen.Eur eingekauftes Haar kan auch ein Kind’ erkennen.Der schlimme Schweiß entdeckt deß Halses falsche Pracht.Vnd die polirte Stirn wird billich außgelachtWenn sich der Salben Eys will bey den Runtzeln trennen.

Gemahlte / sagt mir doch / wer seyd ihr / vnd wie alt?Ihr meyn ich / sechzehn Jahr / drey Stunden die Gestalt.Ihr seyd von Haus’ vnd sie ist über See ankommen.Ihr schätzt euch trefflich hoch / vmbsonst! der Maler hatNoch für ein schöner Bild / das feil war in der StadtVnd länger bleibt / denn ihr / drey Kronen nur genommen.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Freuden vnd Trauer-Spiele auch Oden vnd Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. Sonnette. Das Erste Buch. S. 4f., Johann Lischke, Breßlau, 1658
Digitalisat
de.wikisource.org — „An Jolinden“, Fassung 1.472.910 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Andreas Gryphius starb 1664; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1734 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118543032 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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