An Eugenien
Andreas Gryphius · 1616–1664
14 Zeilen · zuerst gedruckt 1658
WEnn meine Seel in euch / mein Licht wie kan ich leben?Nun das Verhängnüß mich so ferne von euch reißt.Wie kan ich frölich seyn / wenn ihr mir euren GeistNicht für den meinen woll’t / (den ihr gefangen) geben?Man siht mich hier / doch nur als ein Gespenste schweben.Als ein verzaubert Bild / daß sich beweglich weißtDurch frembder Künste Macht / diß was man sterben heißtKan meine Schmertzen wol / nicht meine Flamm’ auffheben.Klagt euch das Hertze nicht / daß ihr in Bande legtWie scharff die Geissel sey die meine Glieder schlägt?Doch nein! es ist zu schwach / sein Elend auß zusprechen.Es weiß nichts mehr von mir / es kennt euch nur allein /Es freu’t sich seiner Angst / vnd wündschet diese PeinDer Bande / durch ein Band / das ewig sey / zu brechen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Freuden vnd Trauer-Spiele auch Oden vnd Sonnette sampt Herr Peter Squentz Schimpff-Spiel. Sonnette. Das Ander Buch. S. 33, Johann Lischke, Breßlau, 1658
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „An Eugenien (Wenn meine Seel)“, Fassung 1.472.908 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Andreas Gryphius starb 1664; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1734 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118543032 der Deutschen Nationalbibliothek.
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