Gulbrandsdal
Theodor Fontane · 1819–1898
20 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
Die Felsen sind steil, die Schlucht ist schmal,Der Snöhättan blickt auf Gulbrandsdal.
Und weht es im Sommer heiß und schwül,So halten die Felsen den Thalgrund kühl,Und starrt es im Winter hoch oben von Eis,So sprudeln unten die Quellen heiß,Herbststürme ziehen drüber hin,Nur Frühling und Friede wohnen darin,Kein Fieber schleicht, keine Krankheit geht um,„Thal des Lebens“ heißt es drum.
Und die Menschen im Thal verlassen es nie,Zu hohen Jahren kommen sie,Keine Last, keine Sorge beugt ihre Gestalt,Sie werden weiß, aber sie werden nicht alt.
Und drei Lebelang sehen dem Leben sie zu,Da sind sie müd’ und verlangen nach Ruh’Und sie rufen den Tod, der aber spricht:„Ihr müßt kommen, ich komme nicht.“
Und sie steigen hinauf. Und zum ersten Mal,Um zu sterben, lassen sie Gulbrandsdal.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 110, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Gulbrandsdal“, Fassung 1.591.352 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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