Hastingsfeld
Theodor Fontane · 1819–1898
30 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1905
14. Oktober 1066.(Nach dem Alt-Englischen.)
König Harald, Boten sandt’ er ausAn die Küste, die sollten erkunden,Ob Herzog Wilhelm und sein HeerDen Weg über’s Meer gefunden.
Und am dritten Tag, der Nebel lagUeber’s Land in breiten Schichten,Da waren die Boten wieder daheimUnd der Eine begann zu berichten:
„Die Klippe von Hastings, wohl war sie steil,Und das Meer, wohl hat es gebrandet,Vergebens die Brandung, vergebens der Stein,Herzog Wilhelm ist gelandet.
„Seine Rüstung ist wie von Silber und Gold,Sein Anlitz ist wie von Eisen, –Aber sein Heer, dem schlottern die Knie,Das wird fliehn und den Rücken uns weisen.
„Seine Ritter sehn hohl und hager drein,Wie in mönchisch Grübeln verloren,Sie haben nicht Kinn- und nicht Backenbart,Sind alle geschabt und geschoren.*)
„Im ganzen Normannenlager giebt’sNur Beten und Messesingen,Das ganze Heer ist ein PriesterheerUnd Du wirst es im Spiele bezwingen.“
König Harald aber, er sah vor sich hinIn finstres Sinnen verloren,Dann sprach er: „Ich weiß, sie fechten wie wir,Obwohl sie geschabt und geschoren.“
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 113–114, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Hastingsfeld“, Fassung 1.582.307 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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