Herbstmorgen
Theodor Fontane · 1819–1898
21 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1851
1840.
Die Wolken ziehn wie TrauergästeDen Mond zu Grabe zu geleiten;Der Wind durchfegt die starren Aeste,Und sucht ein Blatt aus bessren Zeiten.
Die grünen Tannen schaun so düsterAuf eine jung-geknickte Eiche,Als blickten trauernde GeschwisterAuf der geliebten Schwester Leiche.
Schon flattern in der Luft die Raben,Des Winters unheilvolle Boten;Bald wird er tief in Schnee begrabenDie Erde – seinen großen Todten.
Ein Bach läuft hastig mir zur Seite;Er ahnt des Winters Eisesketten,Und stürzt sich fort und sucht das WeiteAls könnt’ ihm Flucht das Leben retten.
Da mocht’ ich länger nicht inmittenSo todesnaher Oede weilen;Es trieb mich fort, mit hast’gen SchrittenDem flücht’gen Bache nachzueilen.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, S. 11–12, 1. Auflage, Carl Reimarus’ Verlag. W. Ernst., Berlin, 1851
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Herbstmorgen“, Fassung 3.027.517 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.