Am Jahrestag von Düppel
Theodor Fontane · 1819–1898
33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(18. April 1865.)
Des Frühlings erste SpitzenUmsäumen Baum und Strauch,Im Blau die Wolken blitzen,Die Ströme blitzen auch,Ein Keimen allenthalbenIn jedem Mauerriß,Und kommen nicht heute die Schwalben,So kommen sie morgen gewiß.
Und Frühling kam und FriedeAuch über den Schleswig-Strand,Wo donnernd die FeuerschmiedeAm Düppeltage stand;Und wo bei Blitz und WolkeErzitterte der Grund,Ziehn Mowen in flatterndem VolkeHin über den Alsen-Sund.
Ein Friede über den WellenUnd Friede in Feld und Flur;Unter all den stillen StellenIst eine stillere nur:Bei Sturmmarsch trommeln und blasen,Mußten sie schlafen ein,Nun grünt der erste RasenUeber ihren Stein.
Ruht sanft; in eurem GrabeSei Euch die Erde leicht!Des Lebens beste HabeHat Euch der Tod gereicht:Um Sieg und Himmel werben,So war es Euch bescheert;Ihr mußtet frühe sterben,Doch war es Sterbens werth.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 295–296, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Am Jahrestag von Düppel (Fontane)“, Fassung 1.675.787 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.