Auf der Kuppe der Müggelberge
Theodor Fontane · 1819–1898
33 Zeilen in 5 Strophen · zuerst gedruckt 1905
(Semnonen-Vision.)
Ueber den Müggelsee setzt mich der Ferge.Nun erklettr’ ich die Müggelberge,Mir zu Häupten rauschen die KronenWie zu Zeiten der Semnonen,Unsrer Urahnen, die hier im EichwaldsschattenIhre Gottheitsstätten hatten.
Und die Spree hinauf, an Buchten und Seen,Seh’ ich wieder ihre Lager stehn,Wie damals beim Aufbruch. Tausende ziehnHin über die Dahme … Der Vollmond schien.
Am Eierhäuschen hebt es an:Eine Vorhut, etliche dreißig Mann,Ein Bardentrupp folgt von Friedrichshagen,Wo noch jetzt Nachkommen die Harfe schlagen,Bei Kiekemal und KiekebuschBlasen Hörner den Abschiedstusch;Auf Flößen kommen Andre geschwommen,Haben den Weg bis Schmöckwitz genommen,Bis Schmöckwitz, wo, Wandel der Epochen,Jetzt Familien Kaffee kochen.Aus der „Wuhlhaide“ treten, wirr und verwundert,Geschwindschritts immer neue HundertUnd bei Woltersdorf und am Dämeritz-SeeSammelt sich schon das Corps d’armée.
Jetzt aber – der Dämeritz ist überschritten –An des Zuges Ausgang und inmittenErblick’ ich Mädchen, erblick’ ich Fraun,Alle thusneldisch anzuschaun,Alle mit Butten, alle mit Hucken.Draus blond die kleinen Germanen kucken –So ziehen sie südwärts mit Kiepen und Kobern,Von der Müggel aus die Welt zu erobern.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Gedichte, Seite 75–76, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Auf der Kuppe der Müggelberge“, Fassung 1.577.114 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.
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