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Versbuch

An den Märzminister Graf Schwerin-Putzar

Theodor Fontane · 18191898

56 Zeilen in 7 Strophen · zuerst gedruckt 1905

Dein Ahnherr – mit dem Schwerte,Du selber – mit dem Wort!So lebt das RuhmeswertheBis auf den Enkel fort.Was einst in letzter StundeDer greise Feldmarschall sprach,Auf’s Neu aus Deinem MundeErklang es uns: „mir nach!“

Du stehst, in Lieb und Treue,Zu Thron und Herrscherhaus,Und baust doch, für das Neue,Die alten Pfeiler aus.Nicht trägst Du der VerneinungIm Kampfe die Fahne vor,Doch für die freie MeinungSchwingst Du sie hoch empor.

Du bist von jenen AltenIm Geiste noch gezeugt,Die keinem StirnefaltenJemalen sich gebeugt.Du sprichst noch wie der ZietenSonst wohl bei Hofe sprach,Was dem die Schranzen riethen,Er fragte nichts danach.

Der Zieten, ja, beim FürstenZu Tafel saß er gern,Einst aber andres DürstenTreib ihn zum Tisch des Herrn;Erst als er da genossenVon Christi heil’gem Mahl,Ernst noch und abgeschlossen,Trat er in Schloß und Saal.

Der König sieht den DegenUnd wie so fromm er schaut;Da ruft er ihm entgegen:„He, Zieten, schon verdaut?!“Der hört es; unter BlitzenBlickt er den König an,Daß selbst das Aug’ des FritzenNicht Stich ihm halten kann.

Dann laut: „Für Euch, in NächtenGeblutet hab’ ich gern,Nun will ich auch ’mal fechtenFür Christum, meinen Herrn!“Wohl stutzet da und staunetDas höfische Geschlecht,Der König aber raunet:„Still, Zieten, Er hat Recht!“

So war’s und – ist’s gebliebenDurch ein Jahrhundert fort:Die Hohenzollern liebenEin freies Manneswort.Auch Du, für heil’ge RechteFicht weiter, sonder Scheu:Treulos sind alle Knechte,Der Freie nur ist treu.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Gedichte, Seite 283–284, 10. Auflage, J. G. Cotta’sche Buchhandlung Nachfolger, Stuttgart und Berlin, 1905
Digitalisat
de.wikisource.org — „An den Märzminister Graf Schwerin-Putzar (Fontane)“, Fassung 2.197.799 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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