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Versbuch

An meinem Fünfundsiebzigsten

Theodor Fontane · 18191898

40 Zeilen in 3 Strophen · zuerst gedruckt 1908

Hundert Briefe sind angekommen,Ich war vor Freude wie benommen,Nur etwas verwundert über die NamenUnd über die Plätze, woher sie kamen.

Ich dachte, von Eitelkeit eingesungen:Du bist der Mann der „Wanderungen“,Du bist der Mann der märk’schen Gedichte,Du bist der Mann der märk’schen Geschichte,Du bist der Mann des alten FritzenUnd derer, die mit ihm bei Tafel sitzen,Einige plaudernd, andre stumm,Erst in Sanssouci, dann in Elysium;Du bist der Mann der Jagow und Lochow,Der Stechow und Bredow, der Quitzow und Rochow,Du kanntest keine größeren Meriten,Als die von Schwerin und vom alten Zieten,Du fandst in der Welt nichts so zu rühmen,Als Oppen und Groeben und Kracht und Thümen;An der Schlachten und meiner Begeisterung SpitzeMarschierten die Pfuels und Itzenplitze,Marschierten aus Uckermark, Havelland, Barnim,Die Ribbecks und Kattes, die Bülow und Arnim,Marschierten die Treskows und Schlieffen und Schlieben –Und über alle hab’ ich geschrieben.

Aber die zum Jubeltag kamen,Das waren doch sehr, sehr andre Namen,Auch „sans peur et reproche“, ohne Furcht und Tadel,Aber fast schon von prähistorischem Adel:Die auf „berg“ und auf „heim“ sind gar nicht zu fassen,Sie stürmen ein in ganzen Massen,Meyers kommen in Bataillonen,Auch Pollacks und die noch östlicher wohnen;Abram, Isack, Israel,Alle Patriarchen sind zur Stell’,Stellen mich freundlich an ihre Spitze,Was sollen mir da noch die Itzenplitze!Jedem bin ich was gewesen,Alle haben sie mich gelesen,Alle kannten mich lange schon,Und das ist die Hauptsache ..., „kommen Sie, Cohn“.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Aus dem Nachlaß von Theodor Fontane. S. 162–163, 4. Auflage, F. Fontane, Berlin, 1908
Digitalisat
de.wikisource.org — „An meinem Fünfundsiebzigsten (Fontane)“, Fassung 3.780.318 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Theodor Fontane starb 1898; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1968 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118534262 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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