Finis Transvaaliae
Rudolf Lavant · 1844–1915
49 Zeilen · zuerst gedruckt 1900
Zur Heimkehr rüsten sich des Hochlands Krieger,beim Klang des Dudelsacks, mit blankem Stahl,Und England legt, ein blutberauschter Tiger,die schwere Tatze knurrend auf Transvaal.Ein kleines Volk stand fest im Kugelregen,allein und einsam in der Todesnoth,Nun ist es doch der Uebermacht erlegenund Recht und Freiheit tritt man in den Koth.Ein Land des Todes ward, ein Land der Trauerdas weite Feld, wohin das Auge späht;Verbrannt die Farm, im Kampf gefällt der Bauer,das ganze Land mit Gräbern übersät.Nach ihrem Gatten fragt das Weib in Schmerzen,im heißen Auge keiner Thräne Naß,Und sät im Stillen in der Kinder Herzenden tiefen, wilden, wortelosen Haß,Und ballt die Faust, wenn ihres Grams Verächter,wenn die brutalen Söldlinge der Queen,Wenn Kitcheners und des Lord Roberts Schlächtermit Sang und Klang an ihr vorüberziehn.Europa aber ehrt die tapfern Bauern,die Enkel Tells und die des Winkelried,Und neigt das Haupt in stummen Ehrfurchtsschauernund feiert sie in zornerfülltem LiedUnd nennt das schamlos gierige Erfrechen,das über Freie solches Leid verhing,Das schmählichste, das schrecklichste Verbrechen,die faulste That, die England je beging.Aus diesem Blute kann kein Lorbeer sprießen,nie wird der dunkle Schandfleck übermalt,Und ob sie auch des Raubes Frucht genießen ―das Gold Transvaals ist doch zu hoch bezahlt,Bezahlt mit alten Freiheitsruhms Umnachtung,mit einer ganzen, aufgewühlten WeltUnsäglicher Empörung und Verachtung,die Englands Heer zu Albas Horden stellt.Füllt immerhin mit angezechten Massen,die jedem frevel noch ihr „Hurrah!“ liehn,Bestreut mit Blumen Londons schmutz’ge Gassenund jauchzt empor zu eurer dicken Queen,Bläht euch im Glanz des schwer erkämpften Sieges,bemäntelt kunstvoll eure NiedertrachtUnd sucht mit Lug die Wurzel dieses Kriegesim Geist, der England stark und frei gemacht,Rühmt euch der Kraft, die dieser Bauernheereeiserne Mauer endlich niederbrach ―Trotz alledem wird es kein Tag der Ehre,trotz alledem bleibt es ein Tag der Schmach!R.L.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Der Wahre Jacob, J. H. W. Dietz, Stuttgart, 1900
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Finis Transvaaliae“, Fassung 3.442.835 · Bearbeitungsstand „korrigiert“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Rudolf Lavant starb 1915; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1985 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 10218299X der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.