Lütt Jan
Otto Ernst · 1862–1926
39 Zeilen in 11 Strophen · zuerst gedruckt 1907
Jan Boje wünscht sich lange schonEin Schiff – ach Gott, wie lange schon!Ein Schiff so groß – ein Schiff – hurra:Von hier bis nach Amerika.
Die höchsten Tannen sind zu klein,Die Masten müßten Türme sein,Die stießen – hei, was ist dabei?Klingling das Himmelsdach entzwei.
Die Wolken wären Segel gut,Die knallen wild im Wind vor Wut,Jan Boje hängt am KlüverbaumUnd strampelt nackt im Wellenschaum.
Jan baumelt an der Reeling, Jan!Und schaukelt, was er schaukeln kann.Wenn’s an die Planken plitscht und platscht,Der blanke Steert ins Wasser klatscht.
Wie greift er da die Fische flink;Ein Butt bei jedem Wellenblink!Die dörrt auf Deck der Sonnenschein,Und Jantje beißt vergnügt hinein.
Jan Boje segelt immerfort,Spuckt über Back- und SteuerbordUnd kommt zurück trotz Schabernack,Das ganze Schiff voll Kautabak.
Wer aber ist Jan Boje, he?Der Teufelsmaat und Held zur See?Jan Boje ist ein Fischerjung’,Ein Knirps, ein Kerl, ein frischer Jung’.
Grad liegt er auf dem Bauch im SandUnd lenkt ein schwimmend Brett am Band,Und ob die Woge kommt und geht,Ob sich sein Brett im Wirbel dreht –:
Sein starrer Blick ins Ferne steht.
Da schwillt’s heran im SonnengleißVon tausend Segeln breit und weiß;Da hebt sich manch ein RiesenbugWie düst’rer Spuk und Augentrug …
Das wandert ewig übers Meer.Wann kommt Jan Bojes Schiff daher?
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Siebzig Gedichte S. 102–103, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Lütt Jan“, Fassung 2.308.726 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.