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Versbuch

Ruhe des Herzens

Otto Ernst · 18621926

28 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1907

Wie heimlich glüht ein BildAus langer Dämm’rung:Ein Sommerabend war’sIm Heimatdorfe;Noch lag ein SonnenhauchAuf Dach und Giebeln,Und hell stand schon der MondIn leerer Straße.Der Nachbar sprach ein WortVon Tau und Regen,Er sprach zu seinem WeibDrin in der Kammer;Er zog das Fenster an,Es klang der Riegel;Ein erstes Sternlein tratAus lichtem Dunkel.Aus fernen Gärten klangEin Mädchenlachen;Ein letzter Nachhall dannUnd letzte Stille.Und all die SommerweltGing wie ein AtemGeruhig ein und ausDurch meine Lippen. –

Nun weiß ich’s, da mein HaarBeginnt zu bleichen:Was damals ich geatmet, warDas Glück.

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 61, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Ruhe des Herzens“, Fassung 1.623.333 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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