Blühendes Glück
Otto Ernst · 1862–1926
24 Zeilen in 6 Strophen · zuerst gedruckt 1907
Als wir für das Leben uns verbanden,Ganz in Blüte stand der Apfelbaum,Und sein weißer Schimmer floß wie SegenÜber uns und dieser Stube Raum.
Fast zu reich war dieser Blütensegen;Denn die Früchte kamen schwer und dicht.Um uns hüpft und lacht und lärmt und jubeltManch ein apfelwangig Angesicht.
Schwer hast du der Mutter Last getragen,Und vor Sorgen war ich glücklich kaum;Doch zum Trost an jedem HochzeitstageTausendblütig prangt der Apfelbaum.
Wohl, ich weiß! Es möchte kindisch scheinen,Daß wir dessen nicht schon längst gewohnt.Blüten hat man leicht am Hochzeitstage.Wenn man sich vermählt im Maienmond.
Traun, kein Kunststück! Jeder Narr berechnetDieses Wunder an den Fingern dir –Und trotz alledem: ein süßes WunderIst es immer meinem Weib und mir,
Dünkt uns, wenn wir still am Fenster stehen,Wie ein Zauber, wie ein sel’ger Traum,Daß an jedem Hochzeitstage wieder,Immer wieder blüht der Apfelbaum.
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Siebzig Gedichte S. 88, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Blühendes Glück“, Fassung 2.198.247 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.
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