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Versbuch

Der freche Pommery

Otto Ernst · 18621926

18 Zeilen in 2 Strophen · zuerst gedruckt 1907

In meinem Stübchen unter GlasPrangt ein herrlicher Goethe en face.Sein großer Blick durchsonnt das ZimmerWie Erdenluft und olympischer Schimmer.Nun war ’mal ein rechter Jubeltag;Ich und mein Schatz wir hielten Gelag,Schenkten den schäumenden Franzen-WeinEins dem andern mit Singen ein,Kehrten oberst zu unterst die Stuben –Führten uns auf wie närrische Buben.Kam die dritte Flasche dran –Plautz! den Stöpsel halte, wer kann,Und ein dicker Strahl ChampagnerweinDem Goethe – pscht! – ins Gesicht hinein! –Wir schweigen beide und fühlten beklommen:Hat er uns das wohl übelgenommen?

Da lacht’ er mit seinen zwei Sonnen darein:Und ihr wollt Goethekenner sein?!

Quelle und Rechte

Textgrundlage
Siebzig Gedichte S. 106, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
Digitalisat
de.wikisource.org — „Der freche Pommery“, Fassung 3.087.269 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
Gemeinfrei
Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.

Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.

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