Ein Freudentag
Otto Ernst · 1862–1926
32 Zeilen in 8 Strophen · zuerst gedruckt 1907
Jaja, ich hab’ mir ’ne Pfeife gekauft,Eine Tabakspfeife von Ton!Ja, Weibchen, ja: der „Ökonomie“Und aller Vernunft zum Hohn!
Haha, ich hab’ mir ’ne Pfeife gekauft,Eine stattliche Pfeife von Ton,Wie sie Mynheer van Holland raucht,Der reiche Zuckerbaron!
Ja lache nur, Weib, du hast ganz recht:Ich rauch’ überhaupt keine Pfeif’;Doch weil ich so überglücklich war,So mußt’ ich sie kaufen: begreif’!
Daß unser Junge nun wieder gesund,Das machte mich wunderfroh.Und bin ich vergnügt, so kauf’ ich was,Ganz einerlei was und wo.
Und bin ich vergnügt, so verschwend’ ich was,Leichtsinnig, wie ich nun bin.So bin ich geboren, so sterb’ ich einst,So leb’ ich inzwischen dahin.
Und siehst du: so hab’ ich die Pfeife gekauft;Ist sie nicht schön und lang?Ich gab, bei Gott! eine Mark dafür,Ein Markstück rund und blank.
Die Pfeif’ in der Hand, so schlendert’ ich hinUnd sang und summte beglückt.Die Spießer glotzten und stießen sich anUnd grinsten: „Der ist verrückt.“
Und wenn du, mein Liebchen, dasselbe meinst,Ich stell’ es dir gänzlich frei.Ich hab’ meine Pfeife von feinstem Ton;Da, Junge, schmeiß’ sie entzwei!
Quelle und Rechte
- Textgrundlage
- Siebzig Gedichte S. 104-105, 1. Auflage, L. Staackmann, Leipzig, 1907
- Digitalisat
- de.wikisource.org — „Ein Freudentag“, Fassung 3.659.419 · Bearbeitungsstand „fertig“ · abgerufen am 2026-08-28
- Gemeinfrei
- Otto Ernst starb 1926; das Urheberrecht ist mit Ablauf des Jahres 1996 erloschen (§ 64 UrhG in Verbindung mit § 69 UrhG). Sterbejahr belegt durch den GND-Datensatz 118682342 der Deutschen Nationalbibliothek.
Die Schreibweise ist die der angegebenen Druckausgabe und wurde nicht modernisiert. Was wie ein Tippfehler aussieht, ist in der Regel keiner.